Endlich mal Glück gehabt: Wo kein Geld ist, kann keins verbrennen. Vielleicht aber ist mir deswegen immer so kalt.
Suizid wird von der vergangenen FAS behandelt. Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben gibt Kontakt zu einer Plastiktütenfirma, die Sterbewilligen Plastiktüten für 60 Dollar verkauft. Wer die Beihilfe zum Selbstmord nicht schon scheiße genug findet, kann sich jetzt zudem also noch über Luxus-Plastiktüten aufregen.
Der Winter wird übrigens absolut grauenhaft, wenn die Depression schon vor dem ersten Oktober-Regen einsetzt.
Jetzt, wo alles runterfällt - Bayern München, CSU, Weltwirtschaft, Temperaturen - ist ja auch eigentlich nur folgerichtig, daß jetzt das
Wrack von Steve Fossets Flugzeug gefunden wurde.
Jeden Morgen schälst Du Dich mehr aus Deiner Haut. Die Zeit in der Stratosphäre hat Dich gezeichnet, wie Sonnenbrand fällst Du nun Schicht für Schicht von Dir ab, nichts bleibt zurück als rotes, blankes Fleisch. Alles ist schmerzhaft, was nicht Bewußtlosigkeit ist, Gehen und Stehen, Liegen und Sitzen, alles der selbe verzehrende Schmerz des Nicht-Nichtsein-Dürfens.
Am Fenster stehst Du und schaust auf die Straße, wie Du das offensichtlich die letzten Jahre schon gemacht hast, Du kennst das Bild und Du kennst die Menschen, die unten vorbeilaufen, Du kennst die Bäume, die die Straße säumen, und die Blätter, die von den Ästen den Menschen vor die Füße fallen. Du kennst die Hunde und Katzen, die Fahrräder, die Einkaufswägen, das Alles und Nichts scheinbarer Geschäftigkeit. Die Menschen draußen sind hohl, sind nur Hülle, wie Du nur Hülle warst, als Du noch in der Stratosphäre schliefst. Nun aber bist Du frei von kleingeistigem Leben, frei von scheinbaren Zufällen, frei von allem, zurückgeworfen auf Dich selbst.
Und Du merkst erst jetzt, wie einsam es in Dir ist. Wie still und wie gleichzeitig laut, denn alle Deine Stimmen schreien durcheinander, brüllen vor Schmerz und Langeweile, rufen nach Hilfe und dem Fernsehprogramm, sehnen sich nach Abwechslung und suhlen sich in der ewig gleichen Routine des Nichtstuns. Du merkst, wie unruhig es in Dir ist und wie sehr windstilles Meer.
Du fällst nicht mehr, Dein Sturz hat geendet, die Erde kommt nicht mehr näher, doch Du weißt nicht, ob der Aufprall schon kam, der Dich letztlich das Leben kosten wird. Du bist blind geworden in der Zeit außerhalb des Lebens, blind und taub und stumm. Reglos wie ein gestürzter Stein.
Flechten überziehen Deinen Körper wie einstmals Haut, kleine Käfer klettern über Deine Beine, Ameisen bevölkern Deine Arme, Deine Brust ein Wespennest, kleine Vögel nisten in Deinen Augenhöhlen, ein Specht in Deinem Schädel. Ein Ort ist aus Dir geworden, ein Ort des Widerspruchs und der Fülle, die sich selbst erschöpft, eine Oase und eine Wüste, Tiefsee und Urwald, Weltall und Getreidefeld. Das Leben sprießt und endet in Dir, alle Wurzeln wuchernd, alle Äste nach den Sternen greifend. Der Wind singt in Deinen Blättern, Eichhörnchen spielen Verstecken in Deinen Armen, Holz füllt Deine Lungen, Dein Herz eine Frucht von leuchtendem Rot.
In den letzten Tagen sommerlichen Herbstes werde ich ernten gehen, Dein Herz aufschneiden, das Fruchtfleisch essen, den Kern aber eingraben und auf die neue Blüte warten.
Jeder, der noch nicht den
Hinweis auf
Ehrensenf gesehen haben sollte, sollte in Anlehnung an den
Beitrag über Sarah Palin auch
dieses Video sehen.
Edmund Stoiber macht heute wahrscheinlich ein Glas Sekt nach dem anderen auf, denn an der Niederlage seiner Mörder kann er sich bestimmt umfassend delektieren, zumal er selbst nicht unschuldig ist am Vertrauensverlust der CSU in der bayrischen Bevölkerung.
Achtete man am gestrigen Abend weniger auf die ploitikertypischen immer hohlen Worte und mehr auf die Körpersprache der beteiligten CSU-Politiker, dann konnte man schon manches künftige Stühlerücken erahnen. Das Glänzen in den Augen von Horst Seehofer beispielsweise oder die nur scheinbare Selbstsicherheit der demnächst ehemaligen Generalsekretärin Christine Haderthauer, die den Verlust der CSU in neutrale Worte zu kleiden suchte.
Der ebenfalls demnächst ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein sah im ZDF-Interview mit Klaus Kleber so aus, als wollte er anfangen zu weinen. Die respektlose Bissigkeit Klebers konnte einem mit Beckstein mitleidenden Zuschauer allerdings auch das Gefühl geben, Kleber trete einem bereits am Boden Liegenden die Genitalien zu blutigem Brei.
Überhaupt machten alle Journalisten, die über die Wahlergebnisse berichten durften, den Eindruck, sie seien ein wenig high bei soviel Spektakel. Verständlich eigentlich, wenn man den ganzen Sommer über das lahme Geziehe in der Bundes-SPD berichten mußte.
Die CSU wird die nächsten Wochen zur Analyse nutzen, an deren Ende eine Koalition mit der Bayern-FDP (deren Vorsitzender Martin Zeil ja in seiner unreflektierten Ausdruckslosigkeit und an Dummheit grenzenden Kompromißlosigkeit erstaunliche Resemblencen an den Vorsitzenden der Hessen-FDP Jörg-Uwe Hahn zegte) stehen wird.
Das grundsätzliche Problem nicht nur der bayrischen Politik wird aber bleiben: die Unvereinbarkeit rein bürokratischer Wählerverwaltung mit einer bürger- und lebensnahen und damit notwendigerweise pragmatisch orientierten Gestaltung der Gesellschaft. Solange die Gräben in der deutschen Gesellschaft - Alt gegen Jung, Reich gegen Arm, Politiker gegen Bürger und viele weitere - nur mit immer neuem Personal und nicht mit innovativen Lösungen überbrückt werden sollen, wird das grundlegende Problem der deutschen (und letztlich internationalen) Politik nicht gelöst.